Ein Kirchturm zum Rist-Jahr 2007? (Von Eike Pawelko)
Wedel. Sie schwangen, sie sangen, sie klatschten im Takt und rissen ihr Publikum in der fast komplett besetzten Kirche am Roland mit: Die drei Dutzend Sängerinnen und Sänger des Gospelchors Blankenese. Unter der Leitung von Holger Hantke füllten sie am Sonntagabend das hohe Schiff unter dem kobaltblauen Himmel des turmlosen Gotteshauses mit den hoffnungsfrohen Botschaften des Evangeliums in die vielstimmige Liedform der farbigen Nordamerikaner gekleidet.
Der Erlös des Benefizkonzerts - rund 1200 Euro - fließt in die Kasse des Vereins zum Wiederaufbau der Kirche am Roland. „Damit haben wir schon mehr als ein Drittel der benötigten Summe zusammen“, freute sich Ernst Otto Krasemann, Vorsitzender des Kirchturm-Vereins. Rund 450 000 Euro veranschlagen die Turmförderer für den Wiederaufbau der Konstruktion. Anträge auf Fördermittel bei Stiftungen und öffentlichen Institutionen liefen noch. „Wir werden in diesem Jahr den Bauantrag stellen“, kündigte Krasemann, der den Verein seit 2000 leitet, an. Sein Ziel: der Baustart im Rist-Jahr 2007. „Pastor Rist hat 35 Jahre lang in dieser Kirche gepredigt.“ Sehr erfolgreich läuft auch Krasemanns „Goldenes Buch“, in dem er die Geschichte der Kirche und ihrer Zerstörung niedergeschrieben hat. Gegen eine Spende von mindestens 100 Euro kann jeder sich in dieses Buch eintragen lassen. „87 Einträge haben wir bereits“, bilanziert Krasemann zufrieden.
Nach der Begrüßung durch Pastorin Susanne Huchzermeier-Bock legten die schwarz gekleideten Frauen und Männer los: Das schwungvoll-optimistische „In the Sanctuary“ (Im Heiligtum) eröffnete den abwechslunsreichen Liedreigen. Nicht wenige Zuschauer in den Bänken wiegten sich mit den Sängern vor dem Altar im Rhythmus des sehr melodiösen Stücks. Füße wippten, Köpfe nickten, die Heiterkeit des Gospels strahlte ins Auditorium, legte sich auf die Gesichter der Zuhörer. Die Sänger starteten in einer von Anfang an sehr gelösten Atmosphäre. Dafür hatte Chorchef Hantke am Flügel gemeinsam mit Bassist Jörg Krüger und Schlagzeuger Torsten Eichten gesorgt: Das Trio stimmte das Publikum vor Konzertbeginn mit entspannten Instrumentalklängen auf die Gospels ein. Von Klassikern des Genres wie „Nobody knows the trouble I´ve seen“ und „Amazing Grace“ bis zu der modernen Komposition „My life is in your hands“ von 1997 breiteten die Blankeneser eine vielfältige Palette vor den Zuhörern aus. Dabei meisterten sie das präzise Staccato etwa von „Kyrie“ ebenso souverän wie die ausgeprägte Dynamik und Gänsehautproduzierende Harmonik von „Amazing Grace“/ „What the Lord has done in me“. Immer in Bewegung präsentierten sie mal ein poppiges Glaubensbekenntnis („Standing on the promises“), mal überraschten sie mit einer Sprechgesang- Einlage („Every time I feel the spirit“). Abgesehen von etwas dünnen Passagen, wenn die Tenöre und Bässe ohne Unterstützung der Sopran- und Altstimmen sangen, war es ein rundes Konzert. Ohne Umwege über den Verstand schickte der Chor die frohe Botschaft des Evangeliums direkt in Bauch und Herz des Publikums.